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Der Raum in meinem Kopf
Der Raum in meinem Kopf wirkt manchmal so groß und unendlich wie das Universum, es wirkt so als ob ich mich darin verlieren könnte. Ich traue mich gar nicht zu weit zu gehen, weil was passiert, wenn ich verloren gehe, davon schwebe, nicht mehr zurückfinde? Wie ein Echo klingen Dinge, die zu mir gesagt werden durch alle Windungen, prallen an meiner Schädeldecke ab und kommen wieder zurück und dann fühlt es sich so an als hätte es nicht nur eine Person gesagt, sondern hunderte immer und immer wieder.
Der Raum in meinem Kopf ist manchmal voll Chaos – vollgestopft mit Dingen, die ich nicht mehr brauche, aber auch nicht hergeben kann. Ich stolpere über alte Erinnerungen, wenn ich eigentlich etwas ganz Anderes suche und bin dann gefangen in den alten Bildern und Erlebnissen, die schon ganz staubig sind.
Der Raum in meinem Kopf ist manchmal ganz eng, so dass ich gar keinen Platz darin finde für Neues. Es ist so eng, dass ich lieber zumache und es ignoriere als mir darin Platz zu schaffen, zu lüften, die Vorhänge aufzuziehen und meine Gehirnzellen aufzuwecken und ihnen anzuschaffen „hier endlich einmal aufzuräumen und auszumisten“.
Der Raum in meinem Kopf ist manchmal heiß wie in einer Sauna oder eher wie in einem Kontrollraum, wo alle Knöpfe leuchten und eine rote Sirene signalisiert, dass etwas nicht stimmt – das System gehört gekühlt, heruntergefahren und neugestartet, bevor es sich selbst zerstört.
Der Raum in meinem Kopf ist manchmal ganz leer – ich hüpfe wie über eine Blumenwiese dahin und kann mir dann gar nicht vorstellen, dass es hier zu eng wird oder chaotisch ist – es ist doch gerade so friedlich und genug Platz, um Ideen wachsen zu lassen und ihnen dabei zuzusehen, wie sie Früchte tragen. Dann steht die Zeit still.
Der Raum in meinem Kopf ist vieles, aber er ist niemals nur ein Raum. Es ist eine Welt, die sich ständig verändert und verwandelt. Manchmal frage ich mich, ob das alles real ist, was in diesem Raum vor sich geht und dann stelle ich fest, es ist egal. Denn der Raum in meinem Kopf ist mein Raum, meine Welt und ich gestalte sie.
Die Welt in meinem Kopf ist meist präsenter als mein Körper in der Welt da draußen.
mp

Eine Geschichte aus New York…
Als ich im Februar letzten Jahres für ein Monat in New York war, kam der Moment in der Mitte meines Aufenthaltes, als mich eine unglaublich schmerzhafte Welle der Einsamkeit überkam. Ich kannte diese Einsamkeit, sie war schon eine alte Freundin aus Österreich, die mich nach New York verfolgte. Nach einem langen Telefonat mit Zuhause, machte ich einen Spaziergang durch Central Park. Es war ein nebliger, regnerischer Tag passend zu meiner Melancholie. Versunken in der Musik, die durch meine Kopfhörer in meine Ohren und dann durch meinen ganzen Körper drang, trug es mich quer durch den Park. Es war ein – für New York – verhältnismäßig leerer Park. Da fiel mir eine Frau mit Tochter auf, die bei einer weiteren Frau stand. Sie erklärte ihnen etwas, die Tochter versuchte ihrer Mutter das Englisch in eine mir unbekannte Sprache zu übersetzten. Ich wurde stutzig, nahm meine Kopfhörer ab und erblickte ein rosa Schild mit der Aufschrift „Poem – Gedicht“. Die Tochter und die Mutter zogen weiter und da fiel der Blick der Frau, die wie ich später erfuhr Mary Jones hieß, auf mich. Sofort erkundigte ich mich, worum es hier ging und sie erklärte mir, dass sie gegen eine kleine Spende Gedichte frei improvisierte. Ich war fasziniert. Von der freien Spende finanzierte sie sich Klavierstunden, was, da sie ihre Schwester betreute, das einzige sei, das sie sich selbst gönnte. Und dann fragte sie mich diese magischen Worte, die mich noch heute tief berühren – manche von euch kennen sie schon: „With one word, what would make you happy? – Mit einem Wort, was würde dich glücklich machen?“ Ich dachte kurz nach, ich wollte eine kluge, philosophische Antwort geben, doch ich bremste meinen Gedankengang und fragte mich, was mich hier und jetzt in diesem Moment glücklich machen würde. „A hug – eine Umarmung“ sagte ich und uns beiden stiegen die Tränen in die Augen und Mary Jones nahm mich in die Arme und drückte mich. Sie erklärte mir, warum sie das gerade so berührte. Am selben Tag antwortete ihr ein Mann auf die gleiche Frage „Attention – Aufmerksamkeit“, worauf sie ihn umarmte. Und plötzlich startete sie ein Gedicht über Umarmungen zu reimen. Ich kann keinen der Sätze heute wiedergeben, geschweige denn mich an den Inhalt erinnern, doch ich kann mich noch ganz genau an den Moment und das Gefühl erinnern. Wie die Worte, die sie sprach mein Herz berührten, wie ich durch meine Tränen verschwommen in ihre tief braunen Augen blickte und doch alles glasklar schien. Es gab eine Verbindung zwischen uns –so magisch, so faszinierend, so vertrauensvoll. Und mir rollten wortwörtlich dicke Krokodilstränen das Gesicht hinunter. Ich bewegte mich nicht. Voll und ganz galt meine Aufmerksamkeit ihrer Stimme, ihren Augen, ihrer Aura. Ich fühlte mich einfach Geborgen in diesem Moment. Als sie das Gedicht beendete, war ich sprachlos, ich legte meine Hände auf mein Herz, um ihr meine Dankbarkeit zu signalisieren und um diesen Moment für immer in meinem Herzen zu speichern. Danach umarmten wir uns noch einmal. Eine Vorstellung, die jetzt 1 Jahr später unvorstellbar ist – ein Monat danach schon unvorstellbar war. Wir nicht einmal all unsere Liebsten zurzeit umarmen, geschweige denn eine fremde Person auf der Straße oder in einem Park. Mary Jones und ich unterhielten uns danach noch ein bisschen und als ich an diesem Abend in mein Bett sank, wusste ich, dieser Moment ist ein Wunder gewesen – Gott war anwesend und hat ihn mir geschenkt, um mir zu zeigen, dass ich nicht allein bin, auch wenn ich mich einsam fühle.Ich habe das Gefühl, wir alle sind müde, müde der Vorschriften, Verbote und Vorsicht… Wir vermissen Menschen, Ereignisse, Situationen, wir vermissen es „zu leben“. Ich vermisse es vor allem unterwegs zu sein, Gespräche zu führen, neue Menschen kennen zu lernen. Ich wollte diese wundervolle Geschichte einfach mit euch teilen und vielleicht inspiriert sie euch ja in den nächsten Tagen den Abstand zu jemand Fremden zu überbrücken und etwas zu geben – einen Moment mit einer fremden Person zu teilen. Es wird wohl keine Umarmung sein, wie sie mir Mary Jones in Worten und Taten schenkte. Aber man glaubt oft gar nicht, was man mit kleinen Gesten erreichen kann, wie man eine andere Person berühren kann. Und wer weiß, vielleicht erzählt jemand in einem Jahr genau dieses Erlebnis weiter. Wir sind voller Liebe, lasst uns ein bisschen davon verschenken und so dieser blöden Einsamkeit eines auswischen.
mp
Als ich wieder einmal gedankenverloren am Flussufer stehe, bekräftigt der Baum seinen Standpunkt: „Wenn du hoch hinaus willst, musst du gut verwurzelt sein.“ Daraufhin flüstert mir der Fluss zu: „Wenn du weiterkommen willst, musst du ständig in Bewegung sein.“ Ich lächle in mich hinein und habe schon längst für mich beschlossen: „Das eine schließt das andere nicht aus.“
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ich lebe und liebe ich sterbe und verletze ich mach mich groß und versinke im boden ich will spielen und ernste gespräche führen ich fühle alles und bin manchmal stumpf ich kenn dich nicht und doch weiß ich wer du bist sagt mir nicht hoffnung und freude lust und begierde spaß und selbstliebe sind etwas schlechtes sagt mir nicht zweifel und trauer hass und abneigung schmerz und wut darf ich nicht empfinden lasst mich leben und lieben den sternen folgen und mich verlieren bücher nicht zu ende lesen dafür serien hundert mal streamen eins zwei drei gläser wein genießen und meine einsamkeit dabei preisen nachts ständig unterwegs sein und den morgen dann verpassen nicht wissen wohin aber mit vollem anlauf darauf zu steuern menschen kennen lernen und ihre geschichten zu meinen machen ach sagt mir nicht träume sind kindisch und sie zu erreichen unrealistisch sagt mir nicht das leben ist unfair und wie schlecht es uns allen geht und vor allem sagt mir nicht hoffnung und freude lust und begierde spaß und selbstliebe sind etwas schlechtes sagt mir nicht zweifel und trauer hass und abneigung schmerz und wut darf ich nicht empfinden denn ich lebe und liebe ja ich lebe und liebe
mp
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